Einfamilienhaus kaufen — Worauf Sie achten müssen

Dach, Keller, Heizung, Statik: Die kritischen Prüfpunkte bei der Hausbesichtigung — und wann ein Bausachverständiger Pflicht ist.

Gutachter-Service

Bausachverständigen zur Besichtigung mitnehmen

Wer 400.000 € ausgibt, sollte 500 € für einen Bausachverständigen investieren. Ein Gutachter erkennt versteckte Mängel, die einem Laien entgehen — und kann in der Preisverhandlung als Argument dienen.

Dach und Dachboden

hoch

Dachpfetten und Balken auf Schädlingsbefall und Fäulnis prüfen

Holzschädlinge (Hausbock, Holzwurm) erkennt man am Bohrmehl. Befallenes tragendes Holz kostet 10.000–40.000 € Sanierung.

mittel

Dachziegel: fehlende oder verrutschte Ziegel von außen sichtbar?

Mit Fernglas von der Straße prüfen. Baujahr des Daches erfragen — Lebensdauer: 40–80 Jahre je nach Material.

mittel

Dachbodendämmung: vorhanden und ausreichend?

Pflicht nach GEG: mind. 14 cm Dämmung. Fehlende Dämmung = hohe Heizkosten und mögliche Nachrüstpflicht nach Kauf.

Keller und Feuchte

hoch

Kellerwände und -boden auf Feuchtigkeitsflecken prüfen

Frisch geweißte Kellerwände können Schäden kaschieren. Immer mit Feuchtigkeitsmessgerät (ab 15 € im Baumarkt) prüfen.

hoch

Geruch im Keller: modrig, muffig?

Schimmelgeruch ohne sichtbaren Schimmel deutet auf aktive Feuchtigkeitsprobleme hinter der Verkleidung hin.

mittel

Drainage um das Haus: Abdichtung am Kellersockel sichtbar?

Fehlende oder beschädigte Kellerabdichtung = teuerste Einzelreparatur am Haus (15.000–60.000 €).

Heizung und Energie

hoch

Baujahr und Typ der Heizungsanlage erfragen

Gasheizung älter als 15–20 Jahre: Ersatz mittelfristig einplanen. Ab 2045 kein reiner Fossilbrenner mehr (GEG). Wärmepumpe-Tauglichkeit prüfen (Dämmung, Heizkörpergröße).

mittel

Energieausweis: Welche Effizienzklasse?

Klasse D oder schlechter = hohe Betriebskosten. Für Banken mit Nachhaltigkeitskriterien kann schlechte Effizienz die Finanzierungskonditionen verschlechtern.

niedrig

Photovoltaik oder Solarthermie vorhanden?

PV-Anlage mit Eigentümervertrag prüfen — wer trägt Instandhaltungskosten? Einspeisevergütung im Kaufpreis einpreisen.

Statik und Bausubstanz

hoch

Risse in Außen- oder Innenwänden sichtbar?

Haarrisse im Putz: normal. Risse breiter als 3 mm oder über Tür-/Fensterrahmen: unbedingt Bausachverständigen hinzuziehen.

hoch

Anbauten oder Umbauten vorhanden — sind diese genehmigt?

Nicht genehmigte Anbauten (Wintergarten, Garage) müssen beim Kauf offengelegt werden — oder Sie haften als neuer Eigentümer.

mittel

Fenster: Baujahr, Isolierverglasung, Dichtungen

Einfachverglasung = erheblicher Wärmeverlust und Kondensatbildung. Fensteraustausch: 600–1.200 € pro Fenster.

Finanzierung für Hauskäufer

Faustregel Eigenkapital

Mindestens 20–25 % des Kaufpreises als Eigenkapital — zuzüglich der Nebenkosten (8–12 % je nach Bundesland: Grunderwerbsteuer, Notar, Makler). Bei einem Haus für 500.000 € sollten Sie 150.000–180.000 € liquide haben.

Renovierungsrücklage einplanen

Für Bestandshäuser (Baujahr vor 2000): 1–2 % des Kaufpreises jährlich als Rücklage für Instandhaltung einkalkulieren. Bei einem 400.000-€-Haus sind das 4.000–8.000 € pro Jahr zusätzlich zur Rate.

KfW-Förderung prüfen

KfW 297/298 für energieeffiziente Gebäude: Zinsvorteil von 0,5–1,5 % möglich. Voraussetzung: Effizienzklasse A oder B, oder Sanierungsverpflichtung im Kaufvertrag. Immer vor Kaufvertragsunterschrift beantragen.

Ist der Angebotspreis fair?

Prüfen Sie den Marktwert des Hauses, bevor Sie ein Angebot abgeben — auf Basis amtlicher Bodenrichtwerte, kostenlos.

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